Wundversorgung ist eine der anspruchsvollsten pflegerischen Aufgaben. Dabei ist die Wundtherapie weit mehr als der Verbandswechsel mit modernen Wundauflagen. Chronische Wunden sind meist die Folge von vorausgehenden chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder peripherer Verschlusserkrankung (pAVK). Zu den häufigsten chronischen Wunden zählen das diabetische Fußsyndrom, Dekubitus und Ulcus cruris in den verschiedenen Ausprägungen. Im Expertenstandard „Pflege von Menschen mit chronischen Wunden – 1. Aktualisierung 2015“ werden Wunden, die nach 4-12 Wochen trotz Therapie nicht zu heilen beginnen, als chronische Wunden definiert (Schümmelfelder, Osterbrink und Panfil, 2009). Betroffene Personen werden durch diese Art von Wunden maßgeblich in ihrer Lebensqualität beeinflusst. Schmerz, Bewegungseinschränkung und insbesondere Wundexsudat und Wundgeruch verursachen eine Vielzahl von Einschränkungen, die einen sozialen Rückzug zur Folge haben. Dabei geht es vom Finden passender Schuhe bis hin zu Schlaflosigkeit durch Schmerzen und der Auseinandersetzung mit der Veränderung des eigenen Körpers (DNQP, 2015, S. 58). Man kann sich daher vorstellen, dass die Therapie sehr komplex ist. Wichtige Faktoren sind die phasengerechte Wundversorgung mit entsprechendem Material und die Dokumentation des Verlaufes der Wundheilung. Hinzu kommen die medizinische Behandlung und die Beratung der Bewohner (ggf. Angehörigen) hinsichtlich des Umgangs mit der Grunderkrankung und der Wunde. Pflegende koordinieren die notwendigen Maßnahmen und geben die Informationen zu möglichen heilungsfördernden Maßnahmen, wie z. B. Ernährung, Bewegung und Hygiene. Eine umfassende Therapie erfordert teilweise ein hohes Maß an Kooperation des Bewohners. Die Notwendigkeit für das Einhalten von diabetischer Diät, hygienischen Maßnahmen oder das Tragen von Kompressionsstrümpfen ist besonders für alte Menschen schwer nachzuvollziehen. Der Expertenstandard sieht vor, dass jeder Bewohner mit einer chronischen Wunde eine pflegerische Versorgung erhält, die das individuelle Krankheitsverständnis berücksichtigt, die Lebensqualität fördert, die Wundheilung unterstützt und die Rezidivbildung von Wunden vermeidet. In den Schulungen der Pflege-Mediathek werden alle vom Expertenstandard empfohlenen grundlegenden Kompetenzen für Pflegekräfte vermittelt. Neben den verschiedenen Wundarten, Therapiemöglichkeiten und der Vorstellung moderner Wundauflagen wird aufgezeigt, an welcher Stelle ausgebildete Wundexperten hinzugezogen werden sollten und wie die Arbeit eines interdisziplinären Wundteams funktioniert. Die Dekubitusprophylaxe bildet einen eigenen Themenbereich in der Pflege-Mediathek.

Literatur
Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) (Hrsg.): Expertenstandard „Pflege von Menschen mit chronischen Wunden – 1. Aktualisierung 2015“, Schriftenreihe des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege, Fachhochschule Osnabrück 2015

Schümmelfelder, F., Osterbrink, B. und Panfil, E-M (2009): Gesundheitspolitische Relevanz chronischer Wunden. In: Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP), Expertenstandard „Pflege von Menschen mit chronischen Wunden“, S.57-60, Fachhochschule Osnabrück 2009

EXPERTENSTANDARD PFLEGE - CHRONISCHE WUNDEN

Modul 1

Häufige Arten von Chronischen Wunden

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  • Einteilung, Ursachen der häufigsten chronischen Wundem
  • Risikofaktoren und Prophylaxe
  • Diagnostik und Therapie
Zielgruppen
Pflegefachkräfte, Auszubildende
Zeitdauer
60 Minuten
Benötigte Materialien
Computer, Beamer und Leinwand, Lautsprecher, Flipchart oder Tafel und Stifte

Modul 2

Zusammenarbeit mit Ärzten und Wundmanagern

Lerninhalte  [mehr]
  • Multidisziplinäre Wundteams
  • Zusammenarbeit von Ärzten und Wundmanagern
  • Haftungsfolgen vermeiden-Remonstration
  • Information und Beratung von Bewohnern
Zielgruppen
Pflegefachkräfte, Auszubildende
Zeitdauer
30 Minuten
Benötigte Materialien
Computer, Beamer und Leinwand, Lautsprecher, Flipchart oder Tafel und Stifte

Modul 3

Der Mensch im Vordergrund

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  • Bedeutung der Wunde für die Person Krankheitsverständnis, Lebensqualität
  • Umgang mit wund- und therapiebedingten Einschränkungen
  • Information und Beratung von Bewohnern und Angehörigen
  • Förderung der Selbstmanagementfähigkeiten
  • Patientenedukation
Zielgruppen
Pflegefachkräfte, Auszubildende
Zeitdauer
60 Minuten
Benötigte Materialien
Computer, Beamer und Leinwand, Lautsprecher, Flipchart oder Tafel und Stifte

Modul 4

Wunddokumentation

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  • Kriterien der  Wunddokumentation
  • Wundanamnese
  • Wundspezifisches Assessment
  • Fotodokumentation
Zielgruppen
Pflegefachkräfte, Auszubildende
Zeitdauer
30 Minuten
Benötigte Materialien
Computer, Beamer und Leinwand, Lautsprecher, Flipchart oder Tafel und Stifte

Modul 5

Wunden, Schmerz und Ernährung

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  • Ernährungsverhalten bei Menschen mit chronischen Wunden
  • Schmerz und schmerzauslösende Faktoren
  • Möglichkeiten der Schmerzvermeidung
Zielgruppen
Pflegefachkräfte, Auszubildende
Zeitdauer
30 Minuten
Benötigte Materialien
Computer, Beamer und Leinwand, Lautsprecher, Flipchart oder Tafel und Stifte